Allnacht in Deutschland
(Dreamers Traumwelten)

BAR

Traum XLI

Drei Dinge soll ein Mann
in seinem Leben tun:
einen Baum pflanzen,
einen Sohn zeugen,
ein Buch schreiben.

Einen Baum,
der sofort wieder eingeht?
Einen Sohn,
der ohne Bäume aufwachsen muss?
Ein Buch,
das vielleicht mal verbrannt wird?

Trotzdem schreibe ich Gedichte,
in der Hoffnung,
dass sich Bücherverbrennungen
nicht wiederholen,
pflanze Bäume,
in der Hoffnung,
dass vielleicht einer
überlebt,
und lehre meinen Sohn,
die Bücher und Bäume
zu bewahren.


Traum XLII

Er hatte davon geträumt,
als Kanzler der Einheit
in die Geschichte einzugehen,
Wegbereiter Europas zu sein.

Doch was bleibt,
ist nur
ein Elefant
im Porzellanladen.


Traum XLIII

Ich sitze ich an den Gleisen,
schaue den Zügen zu,
die an mir vorbeifahren,
und träume davon,
einzusteigen und mitzufahren,
hin zu bisher unerreichten Zielen.

Plötzlich sehe ich
dein Gesicht am Fenster
ein kurzer Moment,
und ich nehme mir vor,
morgen selbst im Zug zu sitzen,
neben dir,
hin zu gemeinsamen Zielen.

Doch irgendwie weiß ich,
dass ich auch morgen
träumend
an den Gleisen sitzen werde.


Traum XLIV

Wie im Zeitraffer
zieht mein Leben an mir vorbei:
Eine Mutter,
die ihr Baby im Arm hält,
spielende Kinder,
die Pause auf dem Schulhof,
ein Paar beim ersten Kuss.

Dann wird es dunkel...

Und nur Sekunden danach
ein helles Licht...

Mein Zug
hat das Ende
des Tunnels erreicht.


Traum XLV

Gestern ist meine Mutter gestorben,
meine Frau hatte eine Fehlgeburt,
mein Sohn ist an Krebs erkrankt,
der III. Weltkrieg hat begonnen,

Männer weinen nicht...


Traum XLVI

Menschen brauchen einander,
und das hat gar nichts mit Sex zu tun.
Wärme,
Halt,
Vertrauen,
Hilfe.

All dies
geben und nehmen
macht einen Menschen aus,
mehr Geben als Nehmen
einen Freund.

Und gemeinsam
Geben als Nehmen empfinden
wahre Liebe.


Traum XLVII

"Hey Mulder,
wann küsst du Scully endlich mal?"

Er schweigt lange,
ehe er gesteht:
"Ich würde schon gerne,
bin aber viel zu schüchtern"

Lächelnd sehen wir uns an,
in der plötzlichen Gewissheit,
dass wir wenigstens
eine Sache gemeinsam haben.


Traum XLVIII

Wenn ich morgens aufwache
und die Träume der Nacht
einfangen will,
sind sie fort.

Waren sie bedeutungslos
oder zu schön
für den Alltag?


Traum XLIX

Ich spüre deinen Duft,
sanft und unverkennbar,
mit einer Note,
die dich einzigartig macht.

Ich schmecke dich,
wenn du meine Lippen berührst,
erregend anregend,
ein Gefühl,
dass meinen ganzen Körper erfasst.

Es fällt mir schwer,
mich von dir zu lösen,
will dich kosten,
bis zur Neige...

und dann
das nächste Glas Bordeaux bestellen.


Traum L

Ich möchte, dass du siehst,
was ich sehe,
ich möchte, dass du fühlst,
was ich fühle.

Ich möchte dich teilhaben lassen
an meinem Leben,
an jeder Minute,
so fern du auch sein magst.

Gemeinsam lachen,
gemeinsam eine Träne vergießen,
lass unsere Gedichte eine Brücke sein
für gemeinsame Träume.


Allnacht 4

Gedichte

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