G e i s t e r s t u n d e

(Alpträume nach Mitternacht)


00:11

Irgendwie hatten sie
immer etwas von dir,
dein Lächeln, deine Augen, deine Figur,
immer war ich auf der Suche
nach ein bisschen Erinnerung...

Und heute steh ich dir wieder gegenüber,
endlich, nach so vielen Jahren.
Nur schade, dass du mit dir selbst
inzwischen überhaupt nichts mehr
gemeinsam hast...


00:12

Ich spüre deinen Mund,
wie er meine Lippen sucht,
sich wieder löst.

Dein Kuss, so heiß,
brennt sich ein,
in mein Gehirn.

Immer wieder von vorn,
immer wieder das gleiche Bild
Abschiedsküsse brennen lange.


00:13

"Wir verstehen uns
doch als Freunde
viel besser."

Irgendwie
hatte er die Antwort erwartet,
doch in seine Bemühungen,
wenigstens das zu erhalten,
schlich sich immer öfter
der Gedanke
"Du bist ihr nicht gut genug".

Und irgendwann
waren sie
nur noch Bekannte.


00:14

Ihr hattet mich umzingelt,
vier gegen einen,
ziemlich einfach,
habt alles genommen,
was ihr in meinen Taschen
finden konntet.

Doch als ich dann
die Angst in euren Augen
gesehen habe,
diese Furcht davor,
erwischt zu werden,
wusste ich plötzlich nicht mehr
ob ich weinen
oder über euch lachen soll.


00:15

Der Mensch im Jahr 2000
viel weiter als früher!

Noch immer führt er Kriege,
doch seine Waffen sind
wesentlich effektiver.

Noch immer ist er käuflich,
doch aus 20 Silberlingen
sind Millionen geworden sind.

Noch immer folgt er einem Messias,
doch dessen Botschaft lautet nur noch:
"Ausländer raus!"

Noch immer missachtet er seine Umwelt,
doch inzwischen tötet er Flüsse
in Sekunden.

Und noch immer ist er voller Hoffnung,
dass alles einmal besser wird.


00:16

Du sagst,
dass deine Träume viel schneller kommen,
keine schlaflosen Nächte
bis zur nächsten Idee...

Trotzdem verstehe ich nicht,
warum du nur wegen eines Traums
deine Tage
mit einer Nadel verkürzen musst.


00:17

Wenn der Mond
in seiner ganzen Fülle
am Himmel steht,
erwacht es,
mein wahres Ich,
denn dann ist
Jagdzeit.

Ich spüre,
wie ich mich verändere,
wie sich meine Sinne schärfen,
ich höre dich,
rieche dich,
lange bevor
ich dich sehe.

Hier,
versteckt im Schatten,
warte ich auf dich,
dein Herzschlag
ist mir schon so nah,
und diesmal
gibt es kein Entkommen.

Ich spüre deine Angst,
noch ist die Dunkelheit
dir nicht vertraut,
und du eilst
von Laterne
zu Laterne,
direkt auf mich zu.

Nur noch ein paar Meter,
dann gehörst du mir,
ein Sprung,
ein Biss,
und ich bin
nicht mehr
allein.

Und ich weiß,
wenn der Mond
in seiner ganzen Fülle
am Himmel steht,
das nächste Mal,
werden wir gemeinsam jagen
für immer und ewig...


00:18

Sie hatten es fast geschafft,
vorbei an all den Soldaten
und den Kindern mit den Steinen,
standen schon vor der Tür,
nur eine verirrte Kugel...

Und einsam trauert Josef
um Maria
und das ungeborene Kind

Bethlehem 2000


00:19

Heute habe ich Seven of Nine die Welt gezeigt.

Nach all den Autos,
die aneinandergereiht
einem Ziel zustrebten,
den Menschen,
die wie an einer Schnur
von der U-Bahn aufgesaugt
und wieder ausgespuckt
an ihren Fließbändern
im Gleichtakt
ihrer Arbeit nachgingen,
fragte sie nur leise:

"Waren die Borgs schon hier?"


00:20

Spürst du,
wie ich von dir Besitz ergreife?
Leise Worte,
die auf fruchtbaren Boden fallen,
eine Berührung,
so ganz aus Versehen,
ein Lächeln,
und du denkst,
es ist nur für dich...

Doch ich bin nur
ein Verführer der Nacht,
immer auf der Suche
nach dem nächsten Opfer.
Und mein nächstes Opfer,
das bist du.

Ich liebe die Nacht,
denn dann seid ihr alle
so wehrlos,
so empfänglich
für die kleinste Schmeichelei,
auf der Suche,
nur zu bereit,
mich zu finden.
Und ich sage nicht nein...

Denn ich bin nur
ein Verführer der Nacht,
immer auf der Suche
nach dem nächsten Opfer.
Und mein nächstes Opfer,
das bist du.

Und am Morgen danach
bist du wieder
allein,
deine Tränen
weinst du einsam.
Denn ich fürchte
die Sonne,
die Fragen,
die sie mit sich bringt...

Ich bin nur
ein Verführer der Nacht,
immer auf der Suche
nach dem nächsten Opfer.
Und mein nächstes Opfer,
wartet schon.


zurück | Gedichte-Übersicht | weiter

1999-2001 by Dreamer