Der Morgen danach
(Dreamers Erwachen)

BAR

Erwachen XI

Einsam laufe ich am Strand entlang,
sehe manchmal noch deine Fußspuren,
vom Meer fast verwischt.

Ich hatte es nur als Spiel empfunden,
als du losgerannt bist.
Erst als du uneinholbar enteilt warst,
erkannte ich,
dass es deine Art war,
Lebewohl zu sagen.


Erwachen XII

Lasst es dunkel werden auf der Erde,
damit ich den Göttern
zum zweiten Mal
das Feuer entreißen kann.

Lasst einen Drachen erscheinen,
stärker als jeden zuvor,
damit ich ihn
im Kampf besiegen kann.

Lasst alle Blumen verdorren
und mich den einzigen Gärtner sein,
der mit seiner Kunst
das Blühen zurückbringen kann...

Lasst alle Meere austrocknen,
damit ich sie
mit meinen Tränen
wieder füllen kann...

Wie soll ich ihr sonst noch zeigen,
wie sehr ich sie liebe?


Erwachen XIII

Ich wollte jeden Drachen besiegen,
nur um deine Liebe zu erringen...

Wie sollte ich auch ahnen,
dass ich mir damit
einen viel größeren Drachen
direkt ins Haus geholt habe...


Erwachen XIV

Manchmal,
wenn ich nach einem langen Tag
in meinem Sessel sitze,
schließe ich die Augen,
träume nur so vor mich hin.
Und dann sehe ich die Dinge,
die mir wirklich wichtig sind:

Die Abendsonne, die meine Nase kitzelt,
meine Freunde,
das Grün der Bäume,
dich,
spielende Kinder,
den Bach vor meinem Haus,
dich,
meine Stadt, versteckt im Tal,
dich...

Und langsam verdrängst du
alle anderen Bilder.


Erwachen XV

Du hattest einen Frosch in der Hand
und hast ihn doch nicht geküsst.

Aber ehe du dich jetzt fragst,
ob es nicht vielleicht
ein verzauberter Prinz war -

es war nur ein verwunschener Zwerg,
immer noch auf der Suche
nach Schneewittchen...


Erwachen XVI

Unsere Gedanken,
sie trafen sich
kurz,
viel zu kurz,
waren sie eins,
tanzten miteinander,
erleuchteten für einen Moment
das Universum.

Und verglühten...

Zu hell?
Zu schön?


Erwachen XVII

Plötzlich ist alles so einfach,
was ich auch anfange,
es gelingt mir,
meine Gedanken,
sie fliegen wieder.

Dabei hat sich sonst
kaum etwas verändert,
die Erde dreht sich
immer noch um die Sonne,
der Tag hat 24 Stunden,
der Kalender
zeigt immer noch Winter.

Doch ich fühle,
dass zwischen uns
wieder Frühling ist,
ein Frühling,
dem kein heißer Sommer
folgen wird,
aber ein Frühling,
der alle Jahreszeiten
überdauert...


Erwachen XVIII

Jeder Freund
ist wie ein Sonnenaufgang:
wenn er da ist,
erwärmt er das Herz,
ein Frösteln,
wenn er sich irgendwo,
weit hinter den den Wolken,
versteckt.

Und jede Nachricht
wie ein Strahl,
der die Wolken durchdringt.

"Keine Angst,
ich bin da,
für dich."


Erwachen XIX

Wenn du neben mir schläfst,
vergesse ich meine Müdigkeit
und möchte dir nur zuschauen.

Ich betrachte dein Gesicht
und erhasche
die Zeichen deiner Träume.
Manchmal lächelst du.
Träumst du dann
von mir?

Ich gäbe alles dafür,
in solchen Momenten
in deine Träume
einzutauchen.

Nur, um sie dir
morgen
zu erfüllen.


Erwachen XX

Eigentlich wollte ich dir
ein Schloss bauen,
doch jeder Baumeister
hat meine Entwürfe abgelehnt.
Nicht möglich,
statisch nicht machbar.

Ist es vielleicht meine Schuld,
wenn mir alles
nur noch
in Herzform
gelingt?


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