Der Morgen danach
(Dreamers Erwachen)

BAR

Erwachen XLI

Manchmal denkt sie zurück
an die Zeit,
in der sie sich kennenlernten,
ein Mann voller Fantasie,
jeder Tag
eine neue Überraschung.

Heute kann sie
die Uhr nach ihm stellen,
weiß schon im voraus,
was er gleich sagen wird,
jeder Tag
der gleiche Trott.

Und sie lächelt leise,
wenn sie daran denkt,
wie er morgen gucken wird,
das Bett neben ihm leer,
jeder Tag
in Zukunft ohne sie...


Erwachen XLII

Irgendwo,
tausend Kilometer entfernt,
im Raum nebenan,
chattest du mit mir.
Deine Haare rotbraunblondschwarz,
deine Augen graugrünblaubraun.

Wir flüstern uns Zärtlichkeiten
auf den Monitor,
würden uns gern berühren,
doch die Finger
streicheln nur
die Tastatur.

Wir träumen von mehr,
aber haben auch
Angst davor.

Chatalltag...


Erwachen XLIII

In dir habe ich das gefunden,
was ich immer gesucht habe,
eine Seele,
die so verträumt ist wie meine,
der leise Worte wichtiger sind
als lautes Getöse,
mit Freude an den kleinen Dingen
des Lebens.

Keine Liebe auf den ersten Blick,
kein Blitz,
der in mich eingeschlagen ist.

Gefühle, die gewachsen sind,
Interesse,
aus der Zuneigung wurde,
Zuneigung,
die allmählich Liebe gebar.
Liebe,
die begierig darauf war,
erwidert zu werden.

Schade,
dass du auf der Suche
nach etwas anderem bist.


Erwachen XLIV

In der Nacht
träume ich
von den schönen Dingen
auf dieser Welt,
am Tag
suche ich
nach den schönen Dingen
auf dieser Welt.

Doch immer wieder
muss ich feststellen,
dass die Tage mit den Nächten
nicht Schritt halten können,
denn nur, wenn ich träume
werden aus 500 Kilometern
ein paar Millimeter
und du bist bei mir.


Erwachen XLV

Mein Himmel
hängt nicht mehr
voller Geigen...

Nur ein einsames Cello
spielt traurig
seine Melodie...

Eine Melodie,
so viel süßer,
die Melodie
der Melancholie


Erwachen XLVI

Ich habe Angst davor,
dich zu verlieren,
zuviel ist schon
durch meine Finger geglitten.

Denn du bist alles,
was ich brauche,
alles,
wofür ich lebe.

Der Stern,
der mich durch die Nacht leitet,
die Sonne,
die meine Tage erwärmt.

Und ich weiß nur zu genau:
wenn ich dich verliere,
verliere ich
auch mich...


Erwachen XLVII

Eigentlich wollte ich
alle Gedanken an dich
ertränken,
die Flasche fast leer,
aber mein Kopf
immer noch voll
von dir.

Kleinigkeiten,
fast vergessen,
plötzlich hervorgespült.
Dein Duft,
als wir uns das erste Mal sahen,
das erste Lächeln,
das du mir geschenkt hast...

Noch eine Flasche?
Noch mehr Bilder?


Erwachen XLVIII

Du, allein im Gras,
dein Blick verträumt,
ein bisschen Traurigkeit
in deinen Augen.

Nur ein Bild,
das mir geblieben ist,
das ich hin und wieder hervorkrame,
um in deine Augen einzutauchen,
von Momenten zu träumen,
die wir nie hatten.

Wir, zu zweit im Gras,
unser Blick verträumt,
unendliche Liebe
in unseren Augen.


Erwachen XLIX

Schau noch mal zurück,
bevor du gehst,
schenk mir ein letztes Lebewohl
ein letztes Lächeln...

Etwas, an das ich mich klammern kann,
wenn du die Tür
hinter dir zugeschlagen hast.

Etwas, was mich immer begleiten wird,
was mich lächeln lässt,
wenn ich an dich denke.

Schau noch mal zurück...


Erwachen L

Ich habe geschwiegen,
als sie dich geholt haben,
habe gelogen,
als sie mir mit Folter drohten,
habe dich verhöhnt,
als sie dich zum Scheiterhaufen führten.

Doch als die Flammen
unter deinen Füßen auflodern,
erkenne ich,
dass das Feuer
in meinem Herzen
viel heißer brennt.

Und ich springe zu dir,
durch die Flammen,
damit du noch einmal spürst,
was wirkliches Feuer ist...

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