Der Morgen danach
(Dreamers Erwachen)

BAR

Erwachen LI

Ich liege in meinem Bett,
das ich eigentlich
mit dir teilen wollte,
friere unter der Decke,
so ganz allein.

Versuche mir vorzustellen,
wie es wohl gewesen wäre,
zu zweit,
in meinem Bett,
unter der Decke...

Miteinander
nebeneinander,
übereinander,
untereinander,
ineinander,
durcheinander?

...und erwache,
völlig durchgefroren,
nicht mehr unter der Decke
(wohl zuviel Bewegung),
aber immer noch allein.


Erwachen LII

Warum haben wir nur
solche Angst davor,
drei Worte zu sagen,
ein paar Buchstaben zusammenzusetzen,
die wir als erstes gelernt haben.

Wir träumen unsere Gefühle,
vergießen Tränen über Ihnen,
schwören uns "Morgen",
wachen einsam auf,
und schweigen weiter...

Warum haben wir nur solche Angst
"Ich liebe dich"
zu sagen?


Erwachen LIII

Tief
in meiner Seele,
versteckt
in meinem Herzen,
sind so viele Dinge,
die ich dir sagen möchte.

Doch ich sitze hier,
vor mir ein leeres Blatt,
und alles,
was ich schreibe,
klingt so banal,
tausendmal gehört.

Wie soll ich dir nur sagen,
dass meine Gefühle für dich
so einzigartig sind,
intensiver als ein
"Ich liebe dich",
viel mehr als ein
"Du fehlst mir".

Und langsam
füllt sich das Blatt
mit meinen Tränen.
Ein Brief,
ohne Worte,
doch alles sagend.


Erwachen LIV

Bunte Frühlingswiesen,
die Bäume voller Knospen,
Vogelgezwitscher,
der Himmel blau wie nie zuvor.

Doch das alles sehe ich nicht,
denn du liegst neben mir im Gras,
und unsere Kleider
längst verstreut um uns herum.

Hände begeben sich auf Entdeckungsreise,
erklimmen Hügel, durchforschen Täler,
noch etwas vorsichtig
bei jedem neuen Schritt.

Lippen folgen ihnen,
schon viel kühner,
obwohl der Boden unter ihnen
immer heißer wird.

Und zwei Körper,
entflammt füreinander,
Vulkane vor dem Ausbruch,
werden eins...

Aber warum
hat sich die Sonne
so verschämt
hinter einer Wolke versteckt?


Erwachen LV

(Für Meike)

Wenn ich sehe,
wie die Traurigkeit
dunkle Wolken über dir formt,
aus denen wohl bald
die ersten Tropfen fallen werden,
möchte ich ein Sturm sein,
der die Wolken vertreibt,
bis die Sonne
wieder am Himmel steht.

Strahlender Sonnenschein,
wohin du auch blickst,
Glück auf all deinen Wegen,
nur irgendwo,
ganz weit hinten,
eine kleine Wolke
mit einem bisschen Regen,
damit ein Regenbogen
dein Glück komplett macht.


Erwachen LVI

Erst an der Tür
gestehst du dir ein
was du wirklich empfindest,
und im Gehen
sprichst du aus
was du schon lange sagen wolltest.

Ich habe das
noch niemals
zu einem anderen Menschen gesagt
und werde es auch nie wieder
in meinem gesamten Leben.
Nur dieses eine Mal:
diese Gewissheit,
so zu lieben,
hat man nur einmal im Leben.

Und als die Tür ins Schloss fällt,
wissen wir beide,
dass diese Gewissheit
uns unser ganzes Leben
quälen wird.


Erwachen LVII

Langsam verlischt es,
das Feuer,
dass mich vor Monaten
so beflügelt hat.

Erstickt
von all den Tränen,
die ich wegen dir
vergossen habe.

Und jetzt,
wo keine Träne mehr da ist,
kann ich endlich wieder
leben...


Erwachen LVIII

Plötzlich war alles ganz anders.
Was vorher klar schien,
total verschwommen,
Vertrautes fremd.

Ich schritt durch eine Welt,
die ich nicht wiedererkannte,
nur noch fremde Gesichter,
unbekannte Orte.

Ich lief an dir vorbei,
schweigend,
nicht mal ein kleiner Schmerz
im Herzen.

Und das alles,
weil an einem Tag
alle meine Brillen
kaputtgegangen sind...


Erwachen LIX

Warum sagst du immer
das Richtige,
wenn ich dich etwas frage?
Warum sehe ich in dir
immer nur das,
was ich sehen will?

Kann es sein,
dass du mich
um den
Verstand gebracht hast?


Erwachen LX

Hin und wieder ein Traum,
ein bisschen Traurigkeit,
aber die Zeit der Hoffnung
ist vorbei.

Hin und wieder ein Gedanke,
ein bisschen Erinnerung,
aber die Zeit der Liebe
ist vorbei.

Hin und wieder eine Träne,
ein bisschen Schmerz,
aber die Zeit der Trauer
ist vorbei.

Ich bin wieder frei...

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